GRENZEN – bewusst erkennen (1. Teil)

Lesezeit ca.: 3 Minuten

Seit elf Jahren Trainer und unterrichte Selbstverteidigung für Kinder zwischen 5 und 16 Jahren. Ab und zu bin ich bei den Erwachsenen, was ich ebenso genieße. Was wir allen unseren Schülerinnen und Schülern als allererstes lehren: Habe dich selbst lieb. Selbstliebe bedeutet Grenzen zu setzen und ist für uns die absolute Grundlage für erfolgreiche Verteidigung. Daraus resultieren viele der anderen Eigenschaften, welche ebenfalls mit dem wichtigen Wörtchen Selbst- beginnen:

Selbstvertrauen, Selbstsicherheit, Selbstbewusstsein, Selbstwirksamkeit, Selbstfürsorge…

Wir alle tragen unsere Eltern in uns. Unsichtbar sitzen sie auf unseren Schultern und unterstützen uns oder machen uns nieder. Von Ihnen haben wir gelernt, ob unsere Wünsche und Bedürfnisse wichtig waren oder nicht. Ob wir die bedingungslose mütterliche Liebe bekommen haben und die väterliche Anerkennung für gute Leistung und die Forderung nach Disziplin. Unsere Sehnsucht, gesehen und gehört zu werden, nach Annahme und Fürsorge. Wie wurde bei euch Nähe und Distanz, Autonomie und Intimität gelebt? Wie haben dir deine Eltern (wichtige) Grenzen gesetzt? All das beeinflusst unbewusst deine sozialen Interaktionen in Familie, Partnerschaft, Beruf und Freizeit.

Straßenbegrenzung
Grenzen geben Sicherheit – Image by Monsterkoi from Pixabay

Wie sollen wir lernen, Grenzen zu setzen, wenn unsere:

Einwände

  • ich mag das nicht essen
  • ich bin satt
  • ich mag Oma nicht umarmen
  • dem Onkel keinen Kuss geben
  • ich bin müde und möchte mich ausruhen…

Grenzen

  • bitte an der Zimmertür anklopfen
  • ich will allein duschen/baden…

Bedürfnisse

  • kannst du mir helfen
  • bringst du mich noch ins Bett
  • erzählst du mir eine Geschichte
  • spielst du mit mir…

Sorgen

  • ich hab Angst vor dem Monster unterm Bett
  • ich möchte heute nicht zur Schule
  • ich habe mir wehgetan
  • der Franz ist doof…

…nicht ernst genommen wurden?

Wie sollten wir verstehen, dass es “okay” ist, wenn unsere Eltern unsere Grenzen missachten, jedoch wenn Freunde, Lehrer oder Fremde das tun, dann nicht. Zu dieser Unterscheidung waren wir als Kinder nicht in der Lage.

Wenn ich zurückdenke, habe ich das Gefühl, dass ich meinem Vater ständig habe helfen müssen und dass fast nie Zeit war zum Ausruhen. Es gab immer zu tun. Haus, Grundstück, Reparaturen… erst am Abend, nach getaner Arbeit gab es die Möglichkeit zu einem schnellen Sprung in die Kiesgrube (welche gleich die Dusche sparte). Ich sehe mich auf der Wiese stehen, Sonne scheint, 35°, mit dem Rechen (Harke) das Heu umwenden zum Trocknen, während die anderen Kinder mit den Fahrrädern ins Freibad fuhren.

Das war eins dieser Muster, die ich leider in mein Erwachsenenleben übernommen hab und welche zu Depression und Erschöpfung führten. Eigene Wünsche und Bedürfnisse waren mir nicht bewusst, somit konnte ich sie nicht äußern. Ich war nicht in der Lage, Grenzen zu setzen, gerade dort, wo ich es am meisten gebraucht hätte: in meiner Partnerschaft. Ich bedurfte eines langen und schmerzhaften Lernprozesses und ich kann nicht behaupten, es schon voll drauf zu haben.

Bis heute bin ich auf der Suche nach dem, was ich wirklich-wirklich will.

Fragen an dich:

Wie wurde mit deinen kindlichen Gefühlen wie: Wut, Unlust und Angst umgegangen?
Wie war es mit deinen Bedürfnissen, Einwänden, Sorgen und deiner Privatsphäre?
Wie hielten es deine Eltern mit Zeit für Zuneigung, Nähe und Fürsorge?
Wie hast du ein eventuelles Fehlen kompensiert?

Deine Aufgabe für heute:

Werde dir eines (kleinen) Wunsches/Bedürfnisses bewusst und erfülle ihn dir. Sorge heute gut für dich: Mach dir einen Tee, lies ein gutes Buch, nimm ein Bad, lass dir eine Massage geben, oder etwas Arbeit abnehmen (wenn möglich).

Gesunde Selbstfürsorge ist ein Zeichen, dass du dich liebst und ernst nimmst, und ein erster Schritt, erfolgreich Grenzen zu setzen. Du bist der erste Mensch, der dir Respekt und Achtung erweisen darf (wenn nicht sogar MUSS). Wenn du dicht selbst nicht respektierst und achtest, wie willst du dann von anderen erwarten, dass sie es tun?
(Image by Peggy und Marco Lachmann-Anke from Pixabay)

Danke für eure Zeit.
Liebe Grüße euer Coach Henryk

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