„Die Kunst zu siegen, ohne zu kämpfen“

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Der klassische Slogan östlicher Kampfkünste, so oder ähnlich als Titel vieler Bücher, Beiträge und Motivationsreden. Hier eine persönliche Zusammenfassung von mir wichtigen Passagen aus dem Buch „Die Kunst zu siegen, ohne zu kämpfen“ (S.154-158). Eine von Pascal Faultiot 1981 angefertigte Sammlung kurzer östlicher Kampfkunstgeschichten, aus dem französischen übersetzt von Loel Zwecker.

Henryk stellt ein Buch vor

Wozu Kampf-Techniken?

Die Techniken gibt es , um unseren Blick zu schärfen welche Vorgehensweise im jeweiligen Fall die die passende ist. Die Technik ist nur das Mittel, nicht das Ziel der Kunst. Sie muss im Einklang mit dem Weg stehen. Achtet man nur darauf, verkümmert die Kunst!

Ein Meister meinte dazu: „Zuerst erlernen wir die Techniken sehr sorgfätig um sie nacher vergessen zu können“.

Und Kraft?

Auch dem Gegner große körperliche Kraft entgegenzustellen ist keine Lösung, denn es besteht immer die Gefahr einem noch stärkeren zu begegnen.

Auch darf seelische Struktur nie mit dem unerschöpflichen Energiestromes des Geistes verwechselt werden. Körperliche Kraft ist situationsabhängig und endlich, die Kraft des Geistes jedoch fliest wie ein Fluss, niemand kann Ihn aufhalten. Auch kann ein Gegner, einmal in eine Klemme geraten, oft mehr Kraft entwickeln als sein Angreifer.

Keinen Widerstand leisten?

Bewusstes „Nichtwiderstehen“ kostet Kraft und Konzentration. Durch diese starre Fokusierung wird deine Wahrnehmung eingeschänkt und deine Spontaneität leidet.

Entledige dich stattdessen aller geistigen Zwänge, dann kann sich die Natur wirklich grundlegend manifestieren. Dann nimmt sie ihren eigenen Weg und agiert ihrem Wesen entsprechend in dir. Kein Schatten, kein Wanken, keine Lücke für euren Gegner ergeben sich dann. Dann bleiben deine Bewegungen spontan.

Was es bedeutet zu kämpfen

Kämpfen ist die Kunst sich in kritischen Situationen der Ursache von Leben und Tod bewusst zu sein. Ein Samurai muss sich dies stets vergegenwärtigen und sich ebenso einem spirituellen wie auch kampftechnischen Training unterziehen – er muss versuchen, die Ursache von Leben und Tod zu durchdringen.

Hat er dieses Niveau des Daseins erreicht, ist er frei von jeglichem EGOISMUS. Er hegt keinerlei negative Gefühle, auch seinem Angreifer gegenüber. Er ist weder berechnend noch strategisch. Sein Geist befindet sich im Zustand des Nichthandelns, des absichtslosen Handelns und im Einklang mit seiner Umgebung.

Ist der Zustand des Nichtbegehrens erreicht, hat der Geist, von Natur aus formlos, keinen Gegenstand mehr. Das Ki, die spirituelle Energie, breitet sich dann ungehindert aus, auf ausgewogene Art und Weise.

Wo das Nichtbegehren vorherrscht, findet sich der Geist nicht von einer einzigen Sache aufgesaugt (abgelenkt), vielmehr (omnipräsent) transzendiert er zugleich Subjekt und Objekt .

Gibt es ein Ich – gibt es einen Gegner – gibt es einen Gegner – gibt es Krieg!

Ohne Ich, kein Gegner. Wenn Ihr ein Wort (Etikett) an die Dinge klebt, sie in eine feste und künstliche Form einsperrt (der Wunsch es begreifbar zu machen), scheinen sie euch entgegen zu stehen.

  • Männlich – Weiblich
  • Wasser – Feuer
  • chwer – Leicht
  • Gut – Böse
  • Richtig – Falsch usw.

Sobald sich kein Urteil mehr in eurem Geist manifestiert, findet auch kein Konflikt mehr statt. Es existiert weder das Ich noch der Feind. Habt Ihr das Gedankliche (Vor-Urteile, Dualismus) erst einmal hinter euch gelassen, kostet ihr den Zustand des absichtslosen Handelns! Dann findet ihr euch in der heiteren Harmonie mit dem Universum, dann seit ihr Eins mit Ihm (Unio Mystica).

Ihr trefft keine Wahl mehr zwischen wahr und falsch, angenehm und unangenehm. Ihr habt euch befreit von der dualistischen Welt, wie sie euren Gedanken entspringt. Doch dringt nur ein winziges Staubkorn in das Auge ein, vermögen wir nicht mehr es offen zu halten. So auch der Geist: Sobald ein Objekt (ein Ding/Gedanke/Urteil) in Ihn eindringt, verliert er seine Macht.

Die letzte Wahrheit kann jeder nur ganz für sich allein erlangen. Es ist an Euch die Warheit dieser Worte zu erproben. Schwierig ist, SICH bewusst zu machen, was in einem SELBST ist. Das Erwachen (Satori/Erweckung/Erleuchtung), ist nichts anderes, als über das eigene SEIN hinauszusehen. Es ist das Ende eines Traumes (Todesschlafes, Selbsttäuschung). Die Erweckung, die Verwirklichung des SELBST und über das Selbst hinaussehen – sind das Gleiche!

Fazit

Keine Ahnung wie oft ich dieses Buch schon gelesen hab. Vier mal, fünf mal… es begeistert mich jedes mal aufs Neue und ich erkenne immer wieder andere Aspekte des Lebens und der Kampfkunst.

Für Leute die sich vielleicht erstmalig an die Wurzeln, Hintergründe und Philosophien der Kampfkünste ran tasten wollen, ein super Einsteigerbuch. 158 Seiten können locker an einem Nachmittag durchgelesen werden. Besser aber etwas verteilen, um es sacken zu lassen. Jedes Kapitel hat eine kurze Einleitung mit leicht verständlichen Erläuterungen und geschichtlichen Hintergründen.

Sehr zu empfehlen. Keep on fighting.

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