Warum wir echte Meister suchen

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Vor einiger Zeit sprach man mich zweimal als Meister an. Ich musste schmunzeln. Das erste Mal von einer besorgten alleinerziehenden Mutter. Sie wünschte sich für Ihren 16-jährigen Sohn eine persönliche Ausbildung bei einem „Meister“. Ein andermal am Dönerstand, nach unserem Training. Papa zur Tochter: „Das ist ein Karate-Meister, der hat einen schwarzen Gürtel.“

Kung Fu Meister beim Training vorm Sonnenuntergang
Ein Meister trainiert jeden Tag. Lernen ist ohne Grenzen, wie der Himmel.
Image by mohamed Hassan from Pixabay

Warum sucht die Welt nach Meistern?

Jesus wurde oft als Rabbi – z.dt: Lehrer – angesprochen. Er wollte das nie. Er meinte, dass diese Titel nur den Menschen wichtig sind, doch sonst ohne Bedeutung. Herr Doktor, Frau Professor(In), Herr Regierungsrat, Sifu, Polizeiobermeister. Solange dies eine Arbeitsbeschreibung ist und kein Titel, der wie eine goldene Plakette vor sich her getragen wird, ist das in Ordnung. Es ist ebenso in Ordnung und ein Zeichen der Anerkennung und des Respektes, einen Menschen mit seinem Titel anzusprechen.

„Ein Mann der sich selbst beherrscht (gemeistert hat),
ist besser als ein siegreicher Herrscher der Städte erobert.“

nach Sprüche 16,32 – Bibel

Jeder kennt diese Filme. Da gibt es das jahrelange Training, die harten Prüfungen, unverständliche Aufgaben, unüberwindliche Hindernisse. Endlich kommt es zu dem finalen Kampf gegen den Superschurken, den ultimativen Bösewicht, bevor aus dem Schüler der Meister wird. Ich denk da nur an Karate-Kid, Star-Wars… – ich liebe diese Filme. Dort sind die Meister meist alt, klein, mit langem weisem Haar und Bart…

Warum ist uns das so wichtig?
Was verbinden wir damit?

Es ist die Sehnsucht nach einem Vorbild. Jemand der mitten im Leben steht. Der etwas „gemeistert“ hat. Die Höhen und Tiefen des Lebens, vor allem sich selbst. Ein Meister hat gekämpft, überwunden. Er „weiß Bescheid“. Keiner der nur redet und Bücherwissen von sich gibt. Er hat die Dinge durchlebt, durchlitten, sich seinen schlimmsten Ängsten und Gegnern gestellt. Er ist keinem Kampf ausgewichen, „den Weg gegangen“. Die Spuren sieht man ihm an, die Narben. In seinem Gesicht, vor allem in seinen Augen. Ein Meister ist ein Wissender. Er hat es nicht nötig mit seinem (berechtigten) Titel zu prahlen. Er strahlt es aus, ist lebenserfahren, entspannt, gelassen.

Ein Meister ruht in sich. Er ist präsent. Im hier und jetzt, aufmerksam, konzentriert. Versöhnt mit sich selbst, mit seiner Biografie, seiner Vergangenheit, seinem Leben. Seinem Versagen, seinen Ängsten, seinen Fehlern, seiner Herkunft, seinem Körper, seinen Schwächen. Ein Meister ist ehrlich, vor allem sich selbst gegenüber. Er ist öffentlich. Das macht Ihn stark und anziehend. Das gibt ihm Autorität und Ausstrahlung.

Ein wahrer Meister inspiriert

Er ist jemand der mich Inspiriert (mir von seinem Geist mir abgibt, mich be-geistert!). Ein Meister ist selbstlos – von sich selbst los. Er ist nicht egozentrisch, selbstbezogen.

Er ist ein Mensch, dem du dich vorbehaltlos (an)vertrauen kannst. Der dich nicht ausnutzt, missbraucht, manipuliert. Der nicht deine Mitgliedsbeiträge braucht und deinen ständigen Lobgesang, deine Anbetung. Er hat alles, braucht nichts. Ihm geht es allein um dich, seinen „Jünger“. Sein Ziel ist, dass du wächst, dein eigenes Leben meisterst.

Ein Meister weiht die „Jünger“ in seine „Geheimnisse“ ein. Einem Meister folgen, meint nicht zu seinem Seminar zu gehen und eine Gebühr zu bezahlen. Es bedeutet miteinander leben, teilen, lernen, lachen, weinen. „Komm und sieh“, sagte Jesus. Er verkaufte dem Fragenden nicht sein neustes Buch „Sieben Wege zu einem erfolgreichen Leben“. „Sieh“ heißt Gemeinschaft, nicht ein Video anzusehen.

Er lebt in Selbstbeherrschung. Alle Regungen, alle guten und alle dunklen Wünsche, Gedanken, Bedürfnisse nicht kontrollieren im Sinne von einsperren, sondern erkennen und akzeptieren. Das nimmt ihnen ihre Macht. Getreu der Reifenwerbung:

„Power is nothing without control“
(Kraft ist nichts ohne Kontrolle / Beherrschung)

Continental

Also echte Freiheit. Nicht alles bekommen, was du willst. Sondern: Nicht alles tun zu müssen, was du möchtest.

Warum wollen wir uns gern mit solchen Menschen umgeben?

Wir möchten, dass deren Glanz, Weisheit und Autorität auf uns abfärbt. Genau darum sollte es gehen. Ich war ebenso auf der Suche nach einem solchen Meister/Mentor. Nun bin ich dabei selbst einer zu werden. Helfen, dass Menschen Ihren Weg finden, Ihre Stärken erkennen, Mut finden an sich und Ihre Träume zu glauben. Irgendwann keinen Meister mehr brauchen.

Meisterschaft bedeutet, sich ganz und gar einer Sache zu verschreiben, alles andere dem unterzuordnen. Fokussiert auf das Ziel. Nicht ablenken lassen. Verzicht, nicht aufgeben, immer einmal mehr aufstehen als man fällt. Weitergehen. Nicht liegenbleiben und seine Wunden lecken. Im Gehen, wird man heil! Immer einen kleinen Schritt vorwärts. Gerade Fehler bringen uns weiter, wenn wir breit sind daraus zu lernen und sie (möglichst) nicht zu wiederholen.

Meisterschaft bedeutet Leben.

Henryk Hauptmann
Zuerst veröffentlicht Juni 2018 auf Facebook

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