Warum unser Bauch wichtig ist

Lesezeit ca.: 5 Minuten

Wenn wir nicht gerade Schmerzen, Übelkeit oder „Schmetterlinge im Bauch“ haben, machen wir uns um ihn keine Gedanken. Treu und meist still verrichtet er seinen Dienst. Etwa 30 Tonnen Essen und 50.000 Liter Flüssigkeiten passieren unsere Verdauung im Laufe des Lebens.

Hände formen ein Herz auf dem Bauch
Wir sollten öfter auf unseren Bauch hören – Image by silviarita from Pixabay

Unser Darm ist eines der wichtigsten Organe: Immunabwehr, Verdauung und vor allem „Alarmanlage“. Was Wissenschaft und Medizin bei uns jetzt entdecken, weiß „der Osten“ schon lange. Über die Kampfkünste und die TCM kommt dieses Wissen zu uns.

Unser „litle brain“ agiert als emotionaler Messfühler. Stark beängstigende Situationen, Vorfreude oder Irritationen werden in eine „Emotions-Gedächtnis-Bank“ hochgeladen. Den ganzen Tag, meist, ohne dass diese in unser Bewusstsein gelangen. Dauerstress oder Angst sorgen für eine endlose Feedbackschleife zwischen oben und unten. Als Folge kommt es zur chronischen Überlastung bestimmter limbischer Gehirnregionen, die sich tatsächlich messbar verkleinern. Dies kann Depressionen verursachen.

Bauchfakten

Unser Bauch- oder Darmhirn sorgt über das „Enterische Nervensystem“ (ENS), mit 100-150 Millionen Nervenzellen, für wichtige autonome Steuerungsvorgänge in unserer Mitte. Über den Vagusnerv kommuniziert es mit dem Kopfgehirn, mit etwa 90-100 Milliarden Nervenzellen. Der „Datenaustausch“ verläuft – unerwartet – zu 90 % von unten nach oben! Unser Bauch hat dem Kopf Wichtiges mitzuteilen. Spannend.

Der Austausch von Informationen zwischen dem enterischen Nervensystem und dem Gehirn scheint eine Rolle bei intuitiven Entscheidungen zu spielen. Die sogenannten „Bauchentscheidungen“.

https://de.wikipedia.org/wiki/Enterisches_Nervensystem

Der Vagusnerv verläuft durch das Sonnengeflecht*, eine Art zentrale Steuerleitung. Ein perfekter Treffer beim Kampf kann zum „Totalausfall“ führen. Über den „plexus cardiacus“ – ebenda – besteht die Verbindung zum Herzen. Es verfügt über ein (eigenes?) neuronales System von ca. 40.000 Nervenzellen. Manche sprechen vom Herzgehirn. Medizinische Nachweise hierfür fehlen bisher.

Bauch – Zentrum des Lebens

Im Osten gilt der Bauchraum seit jeher als Sitz der Seele, der Persönlichkeit, der Willenskraft, der Erfahrungen und Emotionen (japanisch: „hara“ – „Quelle / Tor des Lebens“). Dies meint nicht nur einen konkreten physischen Ort, sondern zentrales Prinzip der japanischen Lebensart: eine innere Haltung von Klarheit, Stille und Zentrierung.

Hara ist das Zentrum und die hauptsächliche Verbindung zwischen Geist, Technik und Körper. Und somit das zentrale Prinzip jeder Übung.

http://www.budopedia.de/wiki/Shingitai

Der Sitz des Hara findet ca. 4 cm unter dem Bauchnabel. Er wird u.a. als 3. Chakra, „Ort der Edelsteine“, „Leuchtendes Juwel“, „Zinoberfeld“ oder 3. Gehirn bezeichnet. Der Beiname Dantian steht in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) ebenso für die Akupunkturpunkte: „Tor des Ursprungs“ (Ren 4) und „Meer des Qi“ (Ren 6).

Um 100 v. Ch. bezeichnete ein chinesisches Medizinbuch den Akupunkturpunkt ST30*, als „ein Sammelpunkt für Qi“. Dieser Knotenpunkt meint nicht nur die rein anatomische Verbindung, sondern „essenzielle Verbindung/Phase“ oder „entscheidender Punkt“.

*) in Höhe der Leiste beidseitig

https://de.wikipedia.org/wiki/Hara_(tanden)#Kampfkunst_und_die_östliche_medizinische_Tradition

Unser Bauch in der Kampfkunst

Viele denken beim Kämpfen und Bauch zuerst an Leberhaken, Magen- oder Tiefschlag als effektives Mittel im Angriff. Wichtiger jedoch ist unsere eigene Verbindung zur Körpermitte und die „richtige“ Spannung und vor allem Atmung. Am Bauchnabel waren wir zuerst mit unserer Mutter verbunden. Von da aus entstand, nach und nach, unser ganzer Körper. Wir entwickelten uns sozusagen um unseren Bauch herum. Von dieser Sichtweise her ist die östliche Vorstellung über die „Quelle des Lebens“ nachvollziehbar.

Es ist die vitale Mitte des Körpers und Zentrum der Schwerkraft. Im Konzept vieler Kampfsportarten kommt die Energie oder Kraft aus diesem Zentrum. Viele Kampfkunststile, darunter Aikido, sehen eine große Bedeutung in der „Bewegung aus dem Hara“.

Das heißt aus der Mitte des eigenen Seins heraus – aus dem Körper und aus dem Geist. In den traditionellen Kampfkünsten, gibt es viele Atemübungen zum Hara, die das „Meer des Qi“ stärken.

https://de.wikipedia.org/wiki/Hara_(tanden)#Hara_in_den_Kampfkünsten

Anders ausgedrückt, ist das Kämpfen keine Technik, die du anwendest, sondern ist ein Teil von dir. Nichts Getrenntes, Äußeres, Aufgesetztes, Fremdes. Der Schwertkämpfer sieht das Schwert als Bestandteil seines Armes. Kämpfen kommt, nach langem Training, von innen, aus der Bewegung, dem Gefühl, der Intuition. Nicht aus dem Kopf, dem Denken oder Wissen.

Einheit von Geist, Körper und Technik

Im Japanischen gibt es dafür die Bezeichnung Shin-Gi-Tai (shingitai). Die bedeutet nicht nur die Vervollkommnung dieser 3 Punkte, sondern eine darüber hinausgehende Synergie. Ein Zentrieren, welches mehr ist als die Summe der Einzelteile.

Dieses psycho-physische Konzept zielt auf die Ganzwerdung des Menschen. Durch die Übung einer äußeren Tätigkeit bildet es das Zentrum aller japanischen Wegkünste. Erst in diesem Sinn ist das Sprichwort „ob Teetrinken, Blumenstecken oder Sitzen, es ist immer das gleiche“, zu verstehen. Oder „was richtig geschieht, muss immer mit hara geschehen“.

Zunächst aber muss auf der Basis der Ganzkörperbewegung die Technik perfektioniert werden. Alle im budo zu erzielenden persönlichen Werte hängen von der Verwirklichung dieses Prinzips ab. Das verbindende Element zwischen Körper und Geist wird in der Philosophie der Körpermitte gesehen. Hara ist der Sitz der Energie, das Zentrum der Bewegung und der innerste Kern unseres Selbst. Die gesamte Philosophie des budo kreist um die Lehre von hara und ist in den Weglehren unverzichtbar.

In allen Weglehren des budo geht es nicht um die Übung bloßer Körpertechniken. Sondern um die Vereinheitlichung von Geist, Technik und Körper durch das Training der Techniken. Dadurch führt der Lehrer seine Schüler auf einen Inneren Weg.

http://www.budopedia.de/wiki/Shingitai#Das_Prinzip_Hara

Mehr dazu findest du unter: https://www.lerne-kaempfen.de/03_5-die-selbstverteidigungspyramide-wie-selbstverteidigung-aufgebaut-ist.htm

*Solar Plexus – das Sonnengeflecht

Als genauen Punkt gibt es ihn nicht. Der plexus solaris besteht vielmehr aus einem Geflecht von Fasern und Knoten des vegetativen Nervensystems. Das macht die Lagebeschreibung schwierig. Äußerlich betrachtet, liegt dieses Geflecht mittig zwischen Brustbein und Bauchnabel, hinter dem Magen, zwischen den Nieren. An der Bauchrückseite, auf Höhe des 1. Brustwirbels und 12. Lendenwirbels. Es ist ein autonomes Netzwerk aus sympathischen und parasympathischen Nervenfasern. Der Nervus vagus, ist der größte Nerv des Parasympathikus. Dieser Hirnnerv spielt in der Regulierung nahezu aller inneren Organe eine tragende Rolle und dirigiert ihre Tätigkeit.

Ein fester Schlag, z.B. auf die Brustbeinspitze, kann zu Schwindel, Übelkeit, Bewusstlosigkeit oder bis zum Herzstillstand führen. Durch eine Art „nervlichen Kurzschluss“ entspannt sich der Bauchraum. Es fließt viel Blut in die Blutgefäße des Unterleibs. Der Blutdruck sinkt sehr schnell und der Herzschlag verlangsamt sich. Dadurch erhält das Gehirn zu wenig Sauerstoff. Im ungünstigsten Fall entleeren sich Blase und Darm.

Also dann – lass ma Bauch ne Ansage machen.
Dein Coach Henryk

https://www.tagesspiegel.de/sport/die-sonne-im-bauch/1822470.html
https://www.linda-giese.de/solarplexuschakra.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Sonnengeflecht

Weitere interessante Links

https://www.geo.de/wissen/13364-rtkl-neurologie-wie-der-bauch-den-kopf-bestimmt
https://www.madhaviguemoes.de/hara-sitz-der-willenskraft/

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