Karfreitag für Alle?

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Karfreitag. Ein christlicher „Feiertag“. Na eigentlich feiert man ja da nichts. Eher ein Gedenktag. Für die Christen. Und trotzdem haben in Deutschland alle frei. Christen, Juden, Moslems, Ungläubige, Buddhisten, Hinduisten, Wissenschaftler, Philosophen, Kinder und Alte, Männer und Frauen…

Kreuz Christi
Kreuz Christi, Symbol für den Weg zum inneren Frieden
Image by congerdesign from Pixabay

Historischer Jesus

Die Geschichtswissenschaft hat ja bestätigt, dass Jesus als historische Persönlichkeit gelebt hat. Wobei diese ganze Erzählung rund um seine Geburt, so wie wir sie aus dem Markusevangelium kennen, ja wohl eher eine „redaktionelle Überarbeitung“ und Zusammenfassung ist, damit es eben eine „Schöne Story“ wird… (vielleicht so ein bisschen wie beim Spiegel und Claas Relotius ). Von der Jungfrauengeburt weiß ich noch nicht, was ich davon halten soll.

Jesus der Influencer

Also, worum geht es dann? Auf jeden Fall ist Jesus ein Revolutionär, einer der die angestammten Traditionen aufgemischt, die Priester mit ihren eigenen „Regeln“ konfrontiert. Er propagierte einen Gott für Jeden, für die „Sünder“, nicht nur für die Anständigen und Makellosen. Er (und damit Gott?) hat den Sünden scheinbar weniger Bedeutung beigemessen als die angestammten Hüter des Gesetzes. Vor allem ist er für mich ein Vorbild an Selbstlosigkeit.

Auf dem Höhepunkt

Wer möchte schon gern sterben, vor allem wenn es gerade super läuft. Das Establishment endlich mal kräftig aufmischt wird. Wenn man die Menge hinter sich hat, die Armen, Unterdrückten und Kranken. Eine Gang, die einem überall hin folgt und alles für einen tun würde.

Der letzte Kampf

Jesu wollte auch nicht sterben, er kämpfte mit seinem Ego. Der größte und schwerste Kampf eines jeden Menschen, der mit sich selbst. Jeder anständige Heldenepos lebt davon. Er hat Blut und Wasser geschwitzt in Gethsemane. Er hatte Scheiß-Angst (nebenbei: Angst kommt aus dem Ego). Und er hat in einem langen Ringen seine Angst und sein Ego besiegt. Er hat aufgegeben, sein Ego. Er hat losgelassen. Sich dem Hier und Jetzt, Gott, dem Universum ausgeliefert, hingegeben. Er leistete keinen Widerstand. Nahm alles so wie es kam.

Warum musste er trotzdem noch sterben? So genau hab ich keine Idee dazu. Vielleicht um seine Hingabe, seine (Ego)Aufgabe ganz deutlich und unwiderlegbar zu beweisen. Ein Vorbild zu werden. Oder aber uns aus dem Hamsterrad, oder besser Teufelskreis, von ewig wiederkehrender Ursache und Wirkung zu befreien. Ein Ausstiegspunkt. Ein großes STOPP. Andere nennen diese Verstrickung einfach „Karma“. Das beinhaltet weit mehr, als der von uns Europäern synonym verwendete Begriff „Schicksal“.

Erlösung – von was?

Ohne Karfreitag kein Ostern. Ohne Sterben kein Leben. Paradox.

Die Erlösung besteht darin, dass er uns den Weg zum inneren Frieden gezeigt hat. Selbstlosigkeit. Von unserem Selbst (besser: Ich bzw. Ego) loszukommen. Und die gilt für alle. Ohne das klassische Bekehrungsgebet, welches es so ja nicht gab und erst im späten Mittelalter „erfunden“ wurde.

Wer so sein möchte wie ich, der verleugne seine selbstsüchtigen Wünsche und bekämpfe sein Ego, so wie ich es tat. Wer so weiterleben will, wie alle Anderen es tun, der wird nicht wirklich leben. Doch wer letztendlich sogar sich selbst loslässt, der ist wahrhaft frei und lebt. Was wenn sich alle deine Wünsche erfüllen, doch deine Seele bliebe leer und kalt? Es gibt keinen anderen Weg zur Erlösung.

Freie Übertragung nach Markus 8,34-36

Es geht um was anderes. Die christlichen Leute haben dafür das altmodische Wort Buße. Besser ist Umdenken, Sinneswandel, Erneuerung. Umdenken im Sinne von, sich nicht mehr von unseren Egoismen, Begierden, Wünschen und Träumen als alleinigen Maßstab leiten lassen. Sondern frei werden, offen sein für das was gerade in diesem Moment geschehen möchte, im göttlichen Fluss sein…

Frohe Ostern
Euer Henryk

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